Schutzbündnis

Das Schutzbündnis will dazu beitragen, dass sich Kiel als weltoffene Stadt in der Praxis bewährt.

Dabei geht es um den Schutz von Menschen islamischen, jüdischen und anderen Glaubens sowie von den Einrichtungen ihrer Religion; auch soll Diffamierungen und Herabsetzungen wirksam begegnet werden.

Trotz ermutigender Verlautbarungen sehen sich viele Muslime und Juden nicht imstande, gleichberechtigt die Gegenwart und Zukunft in Kiel zu gestalten. Manche fühlen sich wegen ihres Glaubens in andauernder Verteidigungsbereitschaft, ihren Glauben vor anderen rechtfertigen zu müssen. Einige haben Angst, als Muslime, Juden oder Anhänger einer anderen Glaubensrichtung erkannt zu werden, und fühlen sich bedroht. Viele resignieren.

In dieser Situation will das Schutzbündnis in vielfältiger Weise ein Klima in Kiel fördern, in dem Menschen unterschiedlicher Religionen in Würde miteinander leben und bei Angriffen und Hass solidarischen Beistand finden und geben.

Damit das Schutzbündnis sich in der Praxis bewähren kann, arbeiten wir daran, folgende Ansätze gemeinsam zu verwirklichen und weiter zu entwickeln.

  • Der Zusammenhalt von interkulturellen, religiösen und interreligiösen Einrichtungen soll durch regelmäßige Begegnungen gefördert werden. Durch persönliche Kontakte kommt es zum gegenseitigen Kennenlernen. Vertrautheit kann Schutz bieten.
  • Auch innerhalb der einzelnen Einrichtungen soll auf den Schutz geachtet und Diffamierungen rechtzeitig Einhalt geboten werden.
  • Sollte es zu Angriffen gegen Menschen und / oder religiöse Einrichtungen kommen, ist bei Gewalt zunächst die Polizei zuständig und umgehend zu informieren. Sollten Menschen seelisch oder / und leiblich verletzt sein, kann solidarischer Beistand notwendig sein. Hierfür wird eine Telefonkette gebildet. Für diese Kette haben sich bisher über vierzig Personen eingetragen. Vier Ansprechpersonen haben Zugang zu diesen Listen. Diese Ansprechpartner können im Notfall angerufen werden und geben dann den Ruf und Informationen an Personen in der Liste weiter.
  • Unterstützung soll im Notfall auch bei kompetenten Stellen und Einrichtungen gesucht werden, z.B. bei der Migrationsberatungsstelle der Landeshauptstadt Kiel (0431 9012430) bei dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus und bei dem Antidiskriminierungsverband Schleswig-Holstein. Auch Rechtsberatung ist notwendig.
  • In der aktuellen Situation fühlen sich vor allem viele Muslime durch besondere Verunglimpfung und Verspottung „des Islams“ herabgesetzt und entwürdigt. Dabei ist es umstritten, wo die Meinungsfreiheit ihr Recht und wo sie auch ihre Grenzen hat… .
  • Wichtig für die Effektivität des Schutzbündnisses ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit, besonders im Blick auf die Kieler Nachrichten und auf den Kieler Express, gegebenenfalls auch auf den Rundfunk… .
  • Federführend für das Schutzbündnis ist zunächst der Kieler Arbeitskreis Brückenbauen. Damit die Arbeit kompetent weitergeführt werden kann, sollen die Teilnehmenden an der Telefonkette und weitere Interessierte zum nächsten Treffen dieses Arbeitskreises eingeladen werden. Beteiligt am Schutzbündnis ist auch der Interreligiöse Arbeitskreis Kiel und die Deutsch-Türkische Gesellschaft, verwaltungsmäßig unterstützt wird das Schutzbündnis von der Stadt Kiel, Referat für Migration.
  • Es ist anzustreben, dass das Schutzbündnis auch von weiteren Institutionen und Einrichtungen (Moscheevereine, Jüdische Gemeinden, Kirchen und Parteien) mitgetragen wird.