Stellungnahme zu kriegerischen Konflikten 2009

Stellungnahme des Interreligiösen Arbeitskreises Kiel vom 26.2.09

Anlass zu dieser Stellungnahme sind öffentliche Äußerungen zum Nah-Ost-Konflikt. Sie bezieht sich zugleich auch auf andere Konflikte und Kriege auf dieser Erde.

Aus dem Frieden unter Menschen verschiedener Religionen und Kulturen heraus, den wir hier in Kiel erleben, erkennen wir, dass Frieden möglich und nötig ist. Konflikte, die auch religiös motiviert sein können, fordern uns daher heraus. In diesen Situationen halten wir folgende Schritte für notwendig:

1. Wir versuchen, uns in die Situation derer hineinzuversetzen, die Gewalt erleiden und die um Menschen trauern, die sie in dem Konflikt verloren haben. Aus ihrer Perspektive versuchen wir, das Geschehen wahrzunehmen.

2. Wir versuchen, uns nicht vereinnahmen zu lassen durch einseitige Berichterstattung von Konfliktparteien und ihren Medien. Wir sind uns der Gefahr bewusst, verzerrter Wahrnehmung zu erliegen, und informieren uns bewusst aus möglichst vielen Quellen.

3. Nicht nur das Schweigen von Waffen ist wichtig, auch die Unterbrechung bisheriger Kampfparolen, Stimmungsmache und Argumentationsketten, die psychische und physische Gewalt begründen und rechtfertigen.

4. Gebet und Meditation sind heilsame Möglichkeiten, innezuhalten, aus dem Reden und Argumentieren zu einem neuen Hören zu kommen, das Verbindende unter allen Menschen zu entdecken und mit denen mitzufühlen, die leiden. Wir versuchen auch, in uns selbst ein gewaltfreies Fühlen, Denken und Handeln zu entwickeln.

5. Die Erhaltung des Lebens ist oberstes Gebot. Wir halten das Leben jedes einzelnen Menschen für unendlich wertvoll.

6. Bei der Verletzung oder Tötung eines Menschen entsteht bei den Angehörigen und Freunden Zorn und Trauer, oft auch Traumatisierung. Wird das Leid nicht bearbeitet, wird oft neue Gewalt erzeugt, denn ohne Trauerarbeit können Opfer zu Tätern werden. Traumatisierungen können über Generationen hinweg weiterwirken und Gewaltbereitschaft fördern. Deswegen unterstützen wir Projekte zur Überwindung von Traumatisierungen.

7. Gewalt, die persönlich in Vorstellungen und Gefühlen, in Worten und in Taten ausgeübt und erlitten wird, steht oft im Zusammenhang mit struktureller Gewalt wie Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Armut. Wir wirken dafür, dass die Ursachen von Gewalt erkannt werden und an ihrer Beseitigung gearbeitet wird. Dazu bedarf es einer solidarischen Interessenvertretung zugunsten der Benachteiligten, mit ihnen und für sie.

Religionen dürfen nicht dazu missbraucht werden, Gewalt zu legitimieren. Wir suchen in Religionen heilsame Kräfte, der Gewalt zu widerstehen und sie zu überwinden.